BME-Region Karlsruhe - Mittlerer Oberrhein

Begrenzte Teilnehmerzahl

Hätten Sie's gewusst? Durch das Keramikwerk des Sanitäranlagenherstellers Duravit gibt es nur vormittags Führungen. Nachmittags muss die Keramik trocknen – und das bei tropischen 40 bis 50 Grad Celsius. Das konnten die etwa 70 Teilnehmer der Betriebsbesichtigung, die federführend von der BME-Region Karlsruhe-Mittlerer Oberrhein organisiert wurde, aber auch die Mitglieder der benachbarten Regionen Schwarzwald Baar-Heuberg und Freiburg-Südbaden adressierte, natürlich nicht wissen. Deswegen führten Unternehmensvertreter die Gäste stattdessen durch das viergeschossige Design Center. Aber auch dabei erfuhren sie eine Menge Wissenswertes über moderne Bad- und Sanitäranlagen: Denn längst bietet Duravit die komplette Palette vom Gästewaschbecken über Badezimmermöbel bis hin zur Whirlwanne und der Sauna in den eigenen vier Wänden an.

„Starck-Tonne" als zeitloser Klassiker

1817 gründete Georg Friedrich Horn in Hornberg im Schwarzwald eine Steingut-Fabrik, die sich zunächst ganz auf die Fertigung von Geschirr konzentriert. Die Erweiterung der Palette um Sanitärprodukte begründete den späteren Erfolg: 1950 wurde die Produktion von Steingut auf Porzellan umgestellt, und seit 1960 hört das Unternehmen auf den Namen „Duravit". Ab 1987 setzte der Hidden Champion dann konsequent auf den Designfaktor in seinen Produkten, 1994 begann eine bis heute andauernde und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem französischen Designer Philippe Starck (ein bis heute bei den Kunden beliebter Waschplatz etwa ist die „Starck-Tonne", siehe Foto in der Galerie unten).

Heute ist die Duravit AG ein international operierender „Gesamtbadhersteller" – und langjähriges BME-Firmenmitglied. In 130 Ländern sind über 6.200 Mitarbeiter für die Unternehmensgruppe aktiv (Umsatz 2017: 454 Millionen Euro). Hergestellt werden Sanitärkeramik, Badmöbel, Dusch- und Badewannen, Wellnesssysteme, Dusch-WCs, Armaturen und Accessoires, sowie Installationssysteme an insgesamt 12 Produktionsstätten – auch in China, wo das Unternehmen Werke in Chongqing (Sanitärkeramik) und Shanghai (Engineering und Montage) unterhält. Als Absatzmarkt, aber auch als Beschaffungsmarkt wurde China in den vergangenen Jahren immer bedeutender.

China-Sourcing: 20 Prozent sollten es schon sein

So passte es thematisch auch gut, dass Stefan T. Schwaab (siehe Foto in der Galerie unten), ausgewiesener China-Experte (u.a. als Einkäufer für ABB, Alstom und Siemens im China-Geschäft tätig, außerdem sieben Jahre Vorstand eines chinesischen Staatsunternehmens) und heute Geschäftsführer eines amerikanisch-chinesischen Maschinenbauunternehmens, den Teilnehmern der Veranstaltung seine persönlichen Erfahrungen zum China der Gegenwart und seine Erwartungen zum China der Zukunft näherbrachte. „Denn China ist größter und wichtigster Beschaffungsmarkt für deutsche Unternehmen", so der Experte. Obwohl sich das Land schon seit ein paar Jahren weg von der „billigen Werkbank" hin zum Qualitätsanbieter entwickle, sei es als Beschaffungsmarkt für deutsche Unternehmen nach wie vor interessant. Allerdings mag der Schritt zum China-Sourcing gut geplant und gründlich durchdacht sein. Ein Preisvorteil von 20 Prozent sollte am Ende jedenfalls herausschauen, so der Rat Schwaabs, bevor man sich auf das Abenteuer Volksrepublik einlässt.

Die Preisvorteile des Landes führt Schwaab auf ein verhältnismäßig immer noch niedriges Lohnniveau, eine tendenziell unterbewertete Währung sowie staatliche Exportförderungsmaßnahmen zurück – und auch auf die Tatsache, dass China Rohstoffe teilweise unter Weltpreisniveau beschaffen kann, weil das Land über bilaterale Verträge und gute Kontakte zu Staaten mit begehrten Rohstoffen verfügt.

Einkäufer schöpfen Potenzial noch nicht aus

Allerdings, so Schwaabs Erfahrungen, würden viele deutsche Einkäufer das Potenzial des Einkaufs in China immer noch nicht voll ausschöpfen. Die größten Hürden in der Zusammenarbeit seien die Fähigkeit bzw. die fehlenden Kapazitäten, chinesische Lieferanten zu managen, Qualitätsfragen, Lieferzeiten, fehlende Kompatibilität mit europäischen Normen (DIN) oder auch die „Klassiker" wie Zahlungsbedingungen, Rechtsdurchsetzung und Fragen des geistigen Eigentums.

„Der Vortrag hat gezeigt, dass China für deutsche Unternehmen als Sourcing-Markt weiterhin eine wichtige Rolle spielt und ein aktuelles Thema ist", kommentierte Bernd Dürring, Vorsitzender der BME-Region Karlsruhe abschließend. Er freute sich über die gute Gemeinschaftsarbeit mit seinen Nachbarregionen im Vorfeld dieser Veranstaltung und betonte die Wichtigkeit von Gemeinschaftsprojekten.

Am Ende des kurzweiligen Programms verspürte so mancher Besucher beim Rundgang durch das Design Center den Wunsch, eines der sechs dort aufgebauten, voll funktionsfähigen Bäder auf Herz und Nieren zu testen – denn dafür sind die nämlich auch da. Leider reichte dafür die Zeit an diesem Abend nicht mehr. Aber so bleibt ein guter Grund, bei nächster Gelegenheit mal wieder einen kleinen Abstecher nach Hornberg zu machen.

Tobias Anslinger, BME


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28.03.2019

20190328 Duravit

Veranstaltung bei Duravit am 06.05.2019


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